Offene Immobilienfonds sind keinesfalls die Rundum-Sorglos-Anlage, als die sie gerne verkauft werden. Wer investieren will, sollte die Fonds vorher genau unter die Lupe nehmen.
Inflationsschutz, eine solide Wertentwicklung und die jederzeitige Verfügbarkeit: die Werbung mit diesen Attributen hat den offenen Immobilienfonds über Jahrzehnte hinweg einen wahren Geldsegen beschert. Knapp 90 Milliarden Euro an Anlegergeldern stecken inzwischen in dieser Anlageform – nicht immer ganz freiwillig: Nachdem viele verunsicherte Anleger in den vergangenen Jahren ihr Geld wieder abgezogen haben, leiden viele Fonds unter Liquiditätsproblemen und haben die Notbremse gezogen: Die Rücknahme von Fondsanteilen wurde eingestellt. Aktuell droht der Branche zudem ein Eingriff des Gesetzgebers: Der Bundesfinanzminister will Anleger künftig mindestens zwei Jahre lang an die gekauften Produkte binden, um so kurzfristigen Liquiditätsengpässen der Fonds vorzubeugen.
Vor einer Investition in einen offenen Immobilienfonds sollte man deshalb kritisch prüfen, ob diese Anlageform dem persönlichen Bedarf entspricht, empfehlen die Anlage-Experten der ING-DiBa. Folgende Fragen sollte man sich vorab gewissenhaft beantworten:
Passt der Fonds zu meinem Anlagehorizont?
Kurzfristig orientierte Anleger sollten um offene Immobilienfonds einen Bogen machen – und dies nicht nur wegen der drohenden gesetzlichen Mindesthaltefrist. Auch der beim Anteilskauf fällige Ausgabeaufschlag von meist fünf oder sechs Prozent lässt eine Anlage über einen Zeitraum von weniger als fünf Jahren schnell zum schlechten Geschäft werden.
Wie steht es um die Qualität der Immobilien?
Die Attraktivität eines offenen Immobilienfonds hängt letztlich vor allem von seinen Investitionen ab – also den Gebäuden, die das Fondsvermögen bilden. Meist sind dies große Bürokomplexe, Hotels oder Einkaufszentren. Geringe Leerstandsquoten, eine lange Restlaufzeit der Mietverträge und ein niedriges Alter der Immobilien lassen darauf schließen, dass die Fondsmanager sowohl die Immobilien als auch die Mieter sorgfältig auswählt haben.
In welchen Ländern ist der Fonds aktiv?
Eine breite Streuung der Immobilien über mehrere Länder hinweg macht den Fonds unabhängiger von der wirtschaftlichen Entwicklung in einzelnen Regionen. Allerdings kann bei Anlagen außerhalb der Euro-Länder das Devisenkursrisiko hinzukommen.
Wie hoch sind die Kosten?
Anleger sollten Ausgabeaufschläge und laufende Verwaltungsgebühren vergleichen und prüfen, ob durch den Erwerb über eine Direktbank ein Rabatt auf den Ausgabeaufschlag möglich ist.
Wie sieht es mit der Wertentwicklung aus?
Sichere Anlagen sollten Kontinuität bieten. Starke Schwankungen bei den Jahresrenditen in der Vergangenheit deuten darauf hin, dass im Fonds überdurchschnittlich hohe Risiken stecken.
(mit Material der ING-DiBa)



