Fast scheint es, als sei in Deutschland die große Burn-Out-Seuche ausgebrochen: Medien berichten über prominente „Opfer“, Experten übertreffen sich mit Zahlen, wonach immer mehr Beschäftigte unter dem Überlastungssyndrom leiden. Doch gibt es Stimmen, die davor warnen, hinter jeder stressbedingten Erschöpfung gleich eine ernsthafte psychische Störung zu vermuten.
Fakt ist, Job und Privatleben haben sich in den letzten Jahren extrem verändert. Schwere körperliche Arbeit ist weniger geworden, dafür haben Stress und psychische Belastungen zugenommen. "Wir leben heute in einer Pop-up-Gesellschaft, in der auf Handy-Displays und Bildschirmen ständig Fenster aufpoppen, die zum Multitasking zwingen und Arbeitsabläufe, aber auch unser Privatleben oft mehr beeinflussen als uns bewusst und lieb sein kann.", beschreibt Heiko Schulz, Psychologe bei der TK, die Veränderungen. Zudem sorgt die mobile Kommunikation dafür, dass die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit immer weiter verschwimmt.
Jedoch sollte das Thema nicht inflationär benutzt werden. „Burn-out selbst ist keine eigenständige Diagnose, zum anderen handelt es sich in den meisten Fällen um eine Erschöpfungsdepression, die am Ende eines langen Prozesses steht", so Schulz. Zudem können auch Störungen der Schilddrüse oder Erkrankungen des blutbildenden Systems ähnliche Symptome verursachen. Und drittens ist nicht jede Belastung oder Überforderung gleich ein Burn-out oder sofort behandlungsbedürftig.
Typische Anzeichen für Burn-out
Besonders gefährdet sind oft überengagierte Menschen, die einen hohen Anspruch an sich selbst stellen. Zu den auffälligen Anzeichen gehört, dass die Betroffenen keine Erfolge mehr wahrnehmen. Dinge, die früher Spaß machten, bereiten keine Freude mehr. Menschen, die vor einem Burn-out stehen, entwickeln einen Tunnelblick, entfernen sich von ihrer Umwelt, fühlen eine innere Leere und werden zynisch. Wer zudem feststellt, dass Freizeit und Urlaub nicht mehr zur Erholung ausreichen und unter Schlafstörungen und körperlichen Beschwerden leidet, der sollte sich Hilfe suchen und an einen Arzt wenden.
Tipps zum Vorbeugen
Die Ursache liegt nicht immer im Job. Nicht jeder, der beruflich stark eingespannt ist, ist auch gleich ein Kandidat für Burn-out. Wer Spaß an seiner Arbeit hat, positives Feedback bekommt und etwas für sich sinnvolles tut, brennt auch in Stress-Zeiten nicht aus. Man sollte jedoch nicht dauerhaft unter Volldampf laufen und in der Freizeit für wohltuenden Ausgleich sorgen. Ein Burn-out entsteht erst, wenn es nicht gelingt, den Körper in eine vernünftige Balance aus Anspannung und Entspannung zu bringen, wenn die Situation in der Familie oder im Freundeskreis die Situation zusätzlich belasten. Wer dann noch keine Zeit für Sport und Entspannung findet, gerät man schnell an seine Grenzen. Auch Facebook und Fernsehen sind zum Entspannen ungeeignet, vor allem wenn man sowieso schon den ganzen Arbeitstag vor dem Bildschirm verbringt.
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